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Mit dem Tidenkalender zur Leitungskontrolle

13.05.2016

Schleswig-Holstein Netz überprüft Stromkabel und Gasleitungen zu den Nordseeinseln und Halligen.

Sie sehen aus wie Schatzsucher, sie benehmen sich wie Schatzsucher – sie sind aber keine Schatzsucher. Wenn Wattwanderer in den nächsten Wochen Männer mit ungewöhnlicher technischer Ausrüstung durch das Wattenmeer marschieren sehen, sind es keine Archäologen, die nach dem versunkenen Rungholt suchen, sondern Techniker von Schleswig-Holstein Netz (SH Netz). Das Unternehmen betreibt unter der Nordsee über ein Dutzend Seekabel und zwei Gasleitungen, über die die Bewohner der Inseln und Halligen an das Strom- und Gasnetz angeschlossen sind. Dabei sind die meisten Stromleitungen doppelt ausgelegt, damit auch beim Ausfall eines Seekabels die Versorgung sichergestellt ist.

„Wir kontrollieren die Versorgungsleitungen routinemäßig einmal im Jahr“, erläutert Marten Thomsen, der im zuständigen Netzcenter in Niebüll für die Planung dieser Einsätze zuständig ist. „Dabei überprüfen wir, ob die Leitungen noch in der vorgeschriebenen Tiefe liegen, oder ob sie von den Gezeiten und Stürmen freigespült worden sind.“ Zum Einsatz kommen bei der Prüfung ein Kabelsuchgerät mit Tiefenmesser sowie ein GPS-Gerät.

Die Termine für die Leitungsbegehung richten sich nach dem Tidenkalender. Begehungen sind aufgrund der Witterung nur zwischen Ende Mai und Anfang September möglich. „Wir arbeiten immer unter Zeitdruck, da Strecken von bis zu zehn Kilometern Länge während des Niedrigwassers kontrolliert werden müssen. Dabei sind die Arbeiten im Wattenmeer jedes Mal wieder spannend. Auch für erfahrene Kollegen hält das Watt immer neue Überraschungen bereit: Ein im Vorjahr nicht zu Fuß überwindbarer Priel kann im folgenden Jahr wieder verschwunden sein, dafür sind an vorher flachen Stellen neue Priele entstanden“, ergänzt Marten Thomsen.

Sollten bei der Begehung Freispülungen entdeckt werden, werden die GPS-Koordinaten festgehalten und die Stelle gegebenenfalls mit einer Boje markiert. Nach Prüfung der Gesamtleitung werden die betroffenen Leitungsabschnitte wieder in der richtigen Tiefe verlegt. Diese Arbeiten finden von der MS Catjan aus statt, die sich bei Ebbe trockenfallen lässt. Mit Schiffseigner Jan Christiansen von Jan Christiansen Frachtschifffahrt arbeitet die SH Netz AG seit vielen Jahren zuverlässig zusammen.

SH Netz betreibt folgende Versorgungsleitungen unter der Nordsee:

  • Seekabel von Dagebüll über Oland nach Langeneß; zehn Kilometer lang
  • Seekabel von Dagebüll nach Langeneß; zehn Kilometer lang
  • Seekabel von Schlüttsiel nach Gröde; 4,5 Kilometer lang
  • Seekabel von Lüttmoor nach Nordstrandischmoor; vier Kilometer lang
  • Seekabel von Nordstrandischmoor nach Pellworm; sechs Kilomter lang
  • Seekabel von Nordstrand nach Pellworm; neun Kilometer lang
  • Seekabel von Pellworm nach Hooge; vier Kilomter lang
  • Drei Seekabel von Emmelsbüll-Horsbüll nach Föhr; jeweils neun Kilometer lang
  • Zwei Seekabel von Föhr nach Amrum; jeweils 4,5 Kilomter lang
  • Gasleitung von Emmelsbüll-Horsbüll nach Föhr; zehn Kilometer lang
  • Gasleitung von Föhr nach Amrum; vier Kilometer lang

Zusätzlich zur Begehung werden die Hochdruckgasleitungen gemäß DVGW-Regelwerk einmal im Monat mit einem Hubschrauber abgeflogen, um freigespülte Abschnitte und nicht angekündigte Annäherungen kurzfristig feststellen zu können. Derzeit testet SH Netz in Abstimmung mit dem Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz in Schleswig-Holstein auch eine Befliegung der Stromleitungen, um das Betreten sensibler Bereiche im Wattenmeer zu vermeiden beziehungsweise den Turnus des Betretens zu strecken.